Vertrieben für Agrarkonzerne

Äthiopien ist attraktiv für westliche Konzerne – vor allem aus der Landwirtschaft. Damit westliche Konzerne für die Industrieländer Produkte anbauen, werden einheimische Bauern vertrieben. Filmemacher Joakim Demmer begleitet einen äthiopischen Journalisten, der diesen Landraub dokumentiert, und dann selbst von der Staatsgewalt bedroht wird.

Auch das ist möglich: Kommerzielle Landwirtschaft, die Nahrung für die Bevölkerung im eigenen Land produziert. © Neue Visionen Filmverleih

Argaw Ashine ist Journalist in Äthiopien. Das Thema, an dem er arbeitet, ist brisant: Ackerland. Investoren strömen in das afrikanische Land und errichten mit Hilfe westlicher Entwicklungshilfe und Krediten der Weltbank riesige Plantagen. Die einheimischen Bauern werden dafür von ihrem Boden vertrieben. Die Folge: Derzeit sind etwa sechs Millionen Menschen in Äthiopien auf Lebensmittelhilfen der internationalen Gemeinschaft angewiesen. Gleichzeitig exportiert das Land mehr und mehr Lebensmittel für den Westen.

Für seinen Film DAS GRÜNE GOLD begleitet der schwedische Regisseur Joakim Demmer den jungen Umweltjournalisten Argaw Ashine bei seinen Recherchen in Gambela, einer westlichen Provinz von Äthiopien an der Grenze zum Südsudan. Zuerst gehen sie nur Gerüchten nach, dass in der Region inmitten eines großen Nationalparks Plantagen von ausländischen Agrarkonzernen entstehen sollen. Sie entdecken, dass die Regierung ein Entwicklungsprogramm als Vorwand für Vertreibungen missbraucht, um das Land für die Investoren freizumachen.

DAS GRÜNE GOLD behandelt ein Thema, das nicht auf Äthiopien beschränkt ist. Weltweit wächst die kommerzielle Nachfrage nach Anbauflächen für den globalen Markt. Und die lukrativsten sind zum Spielball von Konzernen, Banken, Rentenkassen und Pensionsfonds geworden. Und überall das gleiche Muster: In der Hoffnung auf große Exporterlöse und Wirtschaftswachstum werden Ländereien an Investoren verpachtet, dafür verlieren Millionen Menschen ihre Lebensgrundlagen und werden zur Flucht getrieben. Wer nicht geht, dem bleibt nur die Arbeit als Tagelöhner auf der Plantage.

Joakim Demmer lässt in DAS GRÜNE GOLD äthiopische Kleinbauern zu Wort kommen, die von ihrem Land vertrieben und ihrer Kultur und Identität beraubt wurden. In der Hoffnung, gehört zu werden, reichen sie Klage bei der Weltbank ein – folgenlos, aber nicht ohne Konsequenzen. Denn aus den vertriebenen Stämmen greifen manche vor Verzweiflung und aus Wut zu den Waffen.

Der Film soll den Opfern von Landraub in allen Teilen der Welt eine Stimme geben, und er soll zeigen, dass unser Wohlstand mit dem Leid in anderen Erdteilen untrennbar verbunden ist. „Der Zucker in meinem Kaffee, die Baumwolle in meinem T-Shirt und sogar die Blumen für meine Mutter könnten leicht von gestohlenem Land stammen“, sagt Demmer.

Der Film ist ein moralischer Appell für eine gerechtere Wirtschaftsordnung, und das ist auch sein Schwachpunkt. Er führt uns die Opfer vor Augen, lässt den Zuschauer aber fragend zurück: An wen können wir unsere Kritik richten? Was können wir tun?

Die Fragen zu beantworten wäre gar nicht so schwer: Das autoritäre Regime in Addis Abeba wird massiv vom Westen unterstützt, weil es hohe Wachstumsraten und Profite verspricht. Zwar wird das blutige Niederschlagen der Opposition hin und wieder kritisiert, dennoch gibt es beispielsweise eine Militärkooperation zwischen Deutschland und Äthiopien. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte erst im letzten Jahr angekündigt, dass die Polizeiapparate beider Länder künftig enger zusammenarbeiten sollen.

Zuerst veröffentlicht in: Blicklicht, Ausgabe Oktober 2017

 

Vertrieben für Agrarkonzerne
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  • Das Grüne Gold_Pressebild_02: Neue Visionen Filmverleih