Zusammenstehen für bessere Kitas im Land

Wenn es um die Situation in Kitas wird viel gemeckert. Die Schuld wird zwischen Eltern, Erziehern, Trägern und Politik hin und her geschoben. Das Solidaritätsnetzwerk Cottbus will etwas an dieser Situation ändern und hat mit Erziehern, Eltern und Vertretern der lokalen Politik diskutiert. Eine sehr informative Veranstaltung, die fortgesetzt werden soll.

Prekäre Situation in Brandenburger Kitas

Gestern hat es im Cottbuser SandowKahn eine Diskussionveranstaltung mit dem bezeichnenden Titel „Was sind uns unsere Kinder wert?“ gegeben. Thema war die Situation in den Kitas in Brandenburg. Veranstaltet wurde sie vom Solidaritätsnetzwerk Cottbus. Ich war als Mitdiskutant eingeladen. Etwa 30 Gäste, Erzieher, Eltern und Vertreter der Lokalpolitik, waren dabei und diskutierten mit.

Die Kitas Brandenburgs stecken in der Krise. Nach der Selbstanzeige des freien Trägers Fröbel, wurde das offensichtlich. Er hatte öffentlich gemacht, dass der gesetzlich vorgesehene Betreuungsschlüssel nicht eingehalten werden kann. Viele Kinder werden bis zu zehn Stunden am Tag in Kitas betreut, aber nur 7,5 Stunden werden vom Land finanziert. Zu wenig Personal in den Einrichtungen ist die Folge.

Situation in den Kitas

Zu wenig Personal bedeutet einerseits, dass der gesetzlich vorgesehene Bildungsauftrag nicht eingehalten werden kann. In manchen Einrichtungen beschäftigen sich die Erzieherinnen und Erzieher mehr damit, Streit zwischen den Kindern zu schlichten als mit pädagogischer Arbeit. Auf der anderen Seite sind die Erzieher mit der Situation überfordert. Viele von ihnen leiden unter Burn-out oder erkranken an anderen psychischen Krankheiten.

Diese Situation ist besonders schwer für junge Erzieher. In der Ausbildung werden sie mehr schlecht als recht auf den Arbeitsalltag vorbereitet. Wenn sie Praktika absolvieren, werden sie oftmals so eingesetzt, als wären sie schon voll ausgebildet. In der anschließenden Diskussion wurde von einer älteren Erzieherin darauf hingewiesen, dass es in der DDR eine fundierte Ausbildung für diesen Beruf gab. Notwendiges Handwerkszeug werde heute gar nicht mehr vermittelt. So sei es nicht verwunderlich, dass viele jüngere Erzieher schon nach kurzer Zeit das Handtuch werfen würden.

Strukturelle Probleme

Ein anderer Diskussionspunkt waren die strukturellen Probleme, die den Kita-Alltag belasten. Und wie die Politik diese angeht. Es muss zwar zugegeben werden, dass im Land Brandenburg schon einiges getan wurde. Es reicht aber nicht aus.

Auch hier muss verdeutlicht werden: Laut Nationalem Bildungsbericht werden bundesweit in den nächsten Jahren über 300.000 Erzieher fehlen. In den nächsten Jahren werden ebenfalls über 300.000 Krippenplätze gebraucht und etwa nochmal so viele Kindergartenplätze. Es fehlt wie immer am Geld, um das auch umzusetzen. Die Bundesregierung stellt lediglich Mittel für 100.000 Kitaplätze zur Verfügung.

Gleichzeitig will die Bundesregierung die Beitragsfreiheit, die Integration und einen besseren Personalschlüssel ermöglichen. Dafür stellt sie in den nächsten Jahren insgesamt etwa fünf Milliarden Euro zur Verfügung. Gebraucht werden nach Berechnungen der Bertelsmann-Stiftung aber rund 15 Milliarden Euro – pro Jahr. Am Ende ist damit zu rechnen, dass die Kosten auf die Länder, Kommunen und die Eltern abgewälzt werden.

Das beitragsfreie letzte Kitajahr

Die beitragsfreie Kita ist zurzeit in Mode. Etliche Bundesländer wollen ab diesem Jahr auf Elternbeiträge verzichten – für die im gesetzlich verankerten Rechtsanspruch veranschlagte Zeit von sechs Stunden am Tag. Das tun sie auch unterschiedlichen Gründen. In Brandenburg ist das kostenfreie letzte Kitajahr ein Wahlgeschenk der Landesregierung.

Ein Erzieher konnte das bestätigen. Er war kürzlich im Landtag und dort wurde ihm und seinen Kollegen mitgeteilt, dass kurz vor der Landtagswahl die Eltern noch etwas entlastet werden sollen. Das kostenfreie letzte Kitajahr entlastet vor allem die wohlhabenden Familien. In Cottbus können das bei einem Kind über 4.000 Euro Entlastung sein. Für eine Hartz-IV-Familie bedeutet das eine Entlastung von etwa 120 Euro (nachdem man sie kurz vorher erst belastet hat).

Das beitragsfreie letzte Kitajahr hat in Brandenburg keinen pädagogischen Nutzen. Das hat die Landesregierung von einigen Jahren noch auf Anfrage der CDU-Fraktion zugegeben. „Die Befreiung von Beiträgen für Kinder im letzten Kindergartenjahr wäre weder unter fachlichen Aspekten noch unter dem Gesichtspunkt des Familienleistungsausgleichs ein Schritt in die fachpolitisch richtige Richtung“, heißt es in der Antwort der Landesregierung.

Trägervielfalt

In der Diskussion wurde von einer Person die Vielfalt unter den Trägern begrüßt. Andere sahen in der Privatisierung der Kitas erhebliches Problempotenzial.

Einig war man sich in einem Punkt. Die Träger müssten sich auch zusammenschließen, um gegenüber der Landesregierung die notwendige Verhandlungsposition zu erlangen. Aus der Praxis konnte aber berichtet werden, dass die Träger nur wenig miteinander kooperieren. Einige hatten ihren Mitarbeitern sogar verboten, an einer Protestaktion vor dem Potsdamer Landtag oder bei Diskussionsveranstaltungen teilzunehmen. Wer daran teilnimmt, von dem werde man sich trennen, hieß es demnach von der Geschäftsleitung eines freien Trägers.

Die Privatisierung der Kitas habe aber auch zur Folge gehabt, dass die Kommune nur noch wenige Einflussmöglichkeiten auf die Situation in den Kitas habe. Teilweise würden die Vertreter der Kommune noch nicht einmal etwas über Missstände in Kitas erfahren.

Ein anderer negativer Aspekt aus der Privatisierung war, dass die Erzieher nicht mehr einheitlich bezahlt werden. So hatte es in einem AWO-Kindergarten in den letzten Jahren einen Arbeitskampf gegeben, weil dort die Erzieherinnen mitunter 30 Prozent weniger Geld bekamen als in anderen Kitas.

Die Vielfalt der Träger mag zwar auch seine Vorteile haben, sie steht einer Verbesserung der Situation in den Kitas aber im Wege, zeigte sich in der Diskussion.

Fazit

Ein Redner des Solidaritätsnetzwerkes schloss die Veranstaltung mit dem Aufruf, dass die Situation nur verbessert werden könne, dass der notwendige Druck nur aufgebaut werden könne, wenn sich Eltern und Erzieher zusammenschlössen. Derzeit werde noch viel zu sehr mit dem Finger auf die Anderen gezeigt und ihnen die Schuld zugewiesen. Das sei aber nicht der Weg. Nur gemeinsam könne man etwas erreichen. In diesem Sinne plant das Solidaritätsnetzwerk eine weitere Veranstaltung, um mit Eltern und Erzieher konkrete Schritte zu erörtern.

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