Tagebau gefährdet hunderte Menschen

Der geplante Braunkohlentagebau Welzow-Süd II des Energiekonzern Vattenfall ist gefährlicher als bisher angenommen. Mehrere hundert Menschen sind laut einer Greenpeace-Studie akut gefährdet. Die Tragödie von Nachterstedt könnte sich wiederholen: Ein ganzes Dorf droht abzurutschen. Darauf machte die Umweltorganisation gestern bei einer Protestaktion vor der Gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg aufmerksam.

Vor zwei Jahren rutschte in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) auf 500 Metern Länge das Ufer in den Concordia See und riss drei Menschen in den Tod. Durch diesen Fall wurde die Öffentlichkeit auf die Gefahr plötzlicher Erdrutschungen als Bergbaufolge aufmerksam. Dass das geplante neue Teilfeld II des Tagebaus Welzow-Süd ebenfalls eine solche Katastrophe auslösen könnte, begründet die Umweltorganisation mit einem von ihr in Auftrag gegebenen Kurzgutachten.

Darin äußert der Geologen Ralf E. Krupp Zweifel, dass die Tagebauwand in Höhe der Ortschaft Lieske die notwendige Standfestigkeit habe. Bei Genehmigung der neuen Grube läge der Ort über Jahre auf einer schmalen Landbrücke zwischen dem Tagebau und dem Sedlitzer See, die teilweise nur 500 Meter breit ist. Die unterirdische Dichtwand soll das Grundwasser aus der Seenkette vom Tagebau fernhalten. Doch geologische Besonderheiten und der zu erwartende hohe Wasserdruck lassen Krupp an der Standfestigkeit der Dichtwand zweifeln. Im schlimmsten Fall könne die Landbrücke mit dem Dorf weggespült werden. Weil der Tagebau dann mit dem Wasser aus dem Sedlitzer See geflutet würde, wären auch die Bergleute gefährdet.

Der Chef des Brandenburger Landesbergamtes, Klaus Freytag, weist die Ergebnisse der Studie indes als unbegründet zurück. Bereits bei den bisherigen Genehmigungen in Zusammenhang mit dem Dichtwandbau seien Fragen der Standsicherheit immer mit erörtert worden. Auch für den Bereich Lieske, der 2016 geprüft werde, müsse eine exakt berechnete Standfestigkeit nachgewiesen werden. Nachterstedt und Lieske ließen sich auch nicht miteinander vergleichen.

Am 11. September sollen die Einwände zum geplanten Teilfeld II des Tagebaus Welzow-Süd in Cottbus erörtert werden. Bisher wurden rund 4800 Einwände von Bürgern und Organisationen vorgebracht. Die Planungsbehörde muss dann erklären, wie sie diese geprüft und berücksichtigt hat.

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