Gruselgeschichten aus Hohenschönhausen und die Aufarbeitung der DDR

Abraham Lincoln sagte einst: „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit, aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“ Es lohnt sich, diese wahren Worte als Wink für die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit anzunehmen. Kaum eine Institution der DDR ist so sehr diffamiert, ist so sehr zum Gegenstand von Verleumdungen und Märchen geworden wie das MfS. Mitarbeiter des MfS sollen Häftlinge in Eis- und Wasserzellen gesperrt, ihnen Psychopharmaka verabreicht oder sie mit Elektroschocks gefoltert oder umgebracht haben. Gedenkstätten wie die in Berlin-Hohenschönhausen sollen an diese Verbrechen erinnern, doch zeigt sich immer mehr, dass kaum etwas an diesen Behauptungen ist. Horst Schneider zeigt es sehr anschaulich in seinem Buch „Das Gruselkabinett des Dr. Knabe(lari)“.

Um es vorweg zu nehmen: Es handelt sich nicht um Geschichtsrevisionismus. Ein Rechtsstreit stellte das klar. Dr. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, beanstandete einige recht belanglose, den Kern des Buches nicht betreffende Aussagen und verlangte eine Unterlassung dieser Äußerungen. Die Unterlassungserklärung wurde vom Verlagsleiter, Klaus Huhn, gern abgegeben, wurde doch damit amtlich, dass Herr Dr. Hubertus Knabe die Kernaussagen des Buches nicht beanstandet.

Willy-Brandt-Kreis kritisiert DDR-Aufarbeitung

Und das Buch hat es in sich; es zeigt, wie unseriös, wie unwissenschaftlich in der Gedenkstätte Hohenschönhausen gearbeitet wird. Der Willy-Brandt-Kreis stellte in seiner Erklärung vom 17. Februar 2005 über den künftigen Umgang mit den Stasiakten:

„Pressehinweise, wonach künftig Hauptaufgabe der Behörde“ (gemeint ist der Apparat des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, kurz BStU – H. Schn.) – „die Aufarbeitung der DDR-Geschichte sein wird, erfüllen uns allerdings mit Sorge, da die Behörde mit ihrer bisherigen Arbeit bewiesen hat, dass sie für diese Aufgabe ungeeignet ist. Die Behörde war von Anfang an nicht als neutrale wissenschaftliche Einrichtung angelegt, sondern hatte eine politische Zweckbestimmung. Wie der damals zuständige Ministerialdirigent im Bundesinnenministerium erklärte, hatte der Sonderbeauftragte den Sonderauftrag, die DDR zu delegitimieren.

Gleichzeitig waren alle geheimdienstlichen Erkenntnisse über die Bundesrepublik streng geheim, sie stehen der kritischen Aufarbeitung nicht zur Verfügung

Damit begann eine auf ostdeutsche Repressionsgeschichte eingeengte, selektive Geschichtsschreibung, die nicht nur Alltagsgeschichte ausblendete, sondern auch Forschungsvorhaben, die nicht die gewünschte Delegitimierung erbrachten, unter den Tisch fallen ließ. […]

Emanzipatorische Elemente wie die Brechung des Bildungsprivilegs in der DDR oder das Selbstbewusstsein von Produktionsarbeitern wurden genauso ausgeblendet wie Aspekte der bundesdeutschen Repressionsgeschichte.“

Weiter hieß es in dem Papier des Willy-Brandt-Kreises: „Mit ihrer Reproduktion von staatlich beaufsichtigter Geschichtswissenschaft hat die Behörde von Anfang an auch zu Fehlurteilen und Legendenbildungen beigetragen. Wenn heute in Westdeutschland und im Ausland das Bild der DDR als eines reinen Unrechtsstaates vorherrscht, in dem alle Bürger entweder bei der Stasi gearbeitet haben oder von ihr beobachtet wurden, bei jeder missliebigen politischen Äußerung im Gefängnis landeten und nur unter Lebensgefahr das Land verlassen konnten, so hat die Behörde ihren Auftrag erfüllt. Wer weiß schon, dass in den Jahren der Mauer nach Angaben des Bundesinnenministeriums – größtenteils unter schikanösen Bedingungen – 429.815 Ausreiseanträge genehmigt wurden, die 33.775 herausgekauften Häftlinge nicht mitgerechnet? […]

Wir brauchen eine differenzierte Aufarbeitung der Geschichte, die auch die westdeutsche Parallelgeschichte nicht ausblenden darf, weil sich nur in der Gesamtansicht Aktionen und Reaktionen erklären lassen. (S. 65 – 66)

 Zu den Unterzeichnern gehörten namhafte Persönlichkeiten, z.B. Egon Bahr, Günter Grass, die Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, Friedrich Schorlemmer, Daniela Dahn.

Die Erklärung des Willy-Brandt-Kreises beschäftigte sich mit der „Gauck-Birthler-Jahn-Behörde“ und wie sie Aufklärungsarbeit über die DDR-Vergangenheit leistet. Die Gedenkstättenarbeit ist Bestandteil der Aufklärung. Die Unterzeichner können keineswegs als Freunde der DDR gelten und das verleit ihrem Urteil besonderes Gewicht. Es lohnt sich genau hinzuschauen, was in Hohenschönhausen geboten wird.

Bildungsmaterial für Schulen

Von der Gedenkstätte Hohenschönhausen werden Materialien herausgegeben und Schulen als Informationsmaterialien angeboten. Ein Punkt ist, dass z.B. in der Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen die Psychiatrie missbraucht wurde. Es wurde und wird immer wieder behauptet, das MfS habe Inhaftierte oder politisch missliebige Personen in Irrenanstalten verschwinden lassen. Es entpuppte sich jedoch als heiße Luft.

Selbst die BStU räumte 1997 ein: „Die auf langwierigen Recherchen fußende Studie zeigt, dass es in der DDR anders, als gemutmaßt wurde, eine Psychiatrierung politischer Dissidenten nicht gegeben hat.“ (BStU: Dritter Tätigkeitsbericht 1997, S.67)

 Ein anderer Punkt war die Darstellung der Verpflegung der Untersuchungshäftlinge. Widerlegungen der „Birthler-Lehrpläne“ wurden bereits anderweitig publiziert. So konnte z.B. nachgewiesen werden, dass entgegen der Behauptungen Untersuchungshäftlinge „eine auf ernährungswissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen beruhende und den Normen entsprechende Gemeinschaftsverpflegung“ erhielten. Den U-Häftlingen war es gestattet, auf eigene Kosten aus dem Angebot der Untersuchungshaftanstalt Waren des persönlichen Bedarfs (Nahrungsmittel, Tabakwaren, Kaffee, Tee usw.) zur eigenen Verwendung zu erwerben. Mittellosen Häftlingen wurde dafür Geld zur Verfügung gestellt.

Diese Lage wurde durch ehemalige Häftlinge bestätigt. Z.B. beschwerten sich die Opferverbände in einem Brief an den ehemaligen damaligen Berliner Kultursenator Peter Radunski (CDU), „dass bei einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Hohenschönhausen ehemalige Inhaftierte erklärten, sie hätten dort 10 bis 15 Kilo zugenommen und wären erst durch die Wende auf schlechtere Verpflegung heruntergesetzt worden“. In diesem Brief wurde auch Beschwerde über die damalige Gedenkstättenleiterin Gabriele Camphausen geführt, die wahrheitsgemäß äußerte, dass eine spezielle Haftanlage im Keller des Untersuchungsgefängnisses nur bis 1951 betrieben wurde (erst danach ging die Verantwortung des Untersuchungsgefängnisses auf das MfS über). Camphausen wurde schließlich durch Hubertus Knabe ersetzt.

Folterzellen

Im Keller der Gedenkstätte Hohenschönhausen befinden sich Zellen, die zeigen sollen, dass dort in der Zeit von 1945 bis 1951 gefoltert wurde. Diese Darstellung bringt einige Merkwürdigkeiten mit sich. Sie wurden z.B. erst 1993 dort eingebaut entsprechend den Hinweisen eines Herrn Reuter. Bis heute ist er der einzige Zeuge für diese Folterzellen, obwohl innerhalb dieser Zeitspanne mehrere Zehntausend Personen dort eingesessen haben sollen. Selbst die ehemalige Leiterin Gabriele Camphausen hegte Zweifel an der Seriosität Reuters Angaben. Auch der derzeitige Leiter Dr. Hubertus Knabe bestätigt in seinem Buch „Der verbotene Stadtteil“, dass Reuter bis heute der einzige Zeuge für die Folterzellen ist. Doch trotz dieser unseriösen, zweifelhaften Beweislage werden diese als authentisch präsentiert.

Lügen über Lügen

In Hohenschönhausen und in den Medien wird gelogen, wenn um das MfS geht. Schneiders Buch zeigt noch viele Beispiele mehr auf, als die hier bisher dargestellten. Ein Beispiel soll noch kurz erwähnt werden.

So meldete die Berliner Morgenpost am 23. März 2001, dass von der Gründung bis zum Untergang der DDR angeblich bis zu einer Million politisch Verfolgter den Repressionen es SED-Regimes ausgesetzt gewesen seien. Mehr als 2.500 Häftlinge seinen in den „Stasi-Gefängnissen“ ermordet worden und Tausende hätten ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt. Den Wahrheitsbeweis trat sie bis heute nicht an. Eine  Anklage wegen eines dieser vielen „Morde“ gibt es nicht.

So tragisch und bedauerlich es ist: In der Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen nahmen sich zwischen 1951 und 1989, also in den fast vier Jahrzehnten DDR-Geschichte, lediglich sechs Inhaftierte das Leben, in allen Untersuchungshaftanstalten des MfS zusammen gab es 14 dokumentierte Selbsttötungen.

Zum Vergleich: Auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten von Bündnis 90/ Die Grünen an den  Berliner Senat über den „Tod im Knast“ vom 1. Januar 2001 erging folgende Antwort: Allein in den Justizvollzugsanstalten Berlins kam es in den Jahren von 1994 bis 2001 zu 52 Selbsttötungen.

In der Untersuchungshaftanstalten für erwachsene Männer in in Berlin-Moabit sind von 1991 bis 2000, also in zehn Jahren, 28 Selbstmorde zu registrieren gewesen, davon 15 in den ersten vier Tagen ihrer Haft. (S. 109)

 Nachweislich verlor durch das MfS kein Untersuchungshäftling sein Leben (S. 45).

Dass in Hohenschönhausen gelogen wird, gestand der Diplompsychologe Hans-Eberhard Zahn, Mitglied des Beirats der Gedenkstätte, bei einer öffentlichen Lesung des Buches „Das Gruselkabinett…“.

Herr Zahn kehrte daraufhin mit der schon beschriebenen Würde ans Mikrofon zurück und bekannte ohne Umschweife: „Ja, es wird dort gelogen, auch schlimm gelogen.“ (S. 19)

Horst Schneider: Das Gruselkabinett des Dr. Knabe(lari); spotless-Verlag; 9,95€; ISBN: 9783360020468

Bezugsmöglichkeiten

Bildquellen

  • 14914132_14914132_xl: superbernde

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