Eine Zukunft ohne Fleisch

Künstlich erzeugtes Fleisch. Szene aus THE END OF MEAT (Bildrechte: David Parry / PA Wire)

Die Geschichte zu dem Dokumentarfilm THE END OF MEAT beginnt in einer Sommernacht des Jahres 2013: Regisseur Marc Pierschel begleitet während der Arbeiten zu einem anderen Film eine Gruppe von Aktivisten der Organisation „Animal Equality“. Die Stallanlage, die sie heimlich betreten, dürfte jeder anderen ähnlich sein, in denen tausende Legehennen in der sogenannten „Freilandhaltung“ gehalten werden. Bilder der Massentierhaltung kennt er zu diesem Zeitpunkt nur aus dem Fernsehen; was er sieht, verschlägt ihm den Atem: Tausende Legehennen sitzen gedrungen über ihren Exkrementen auf drei Ebenen einer Halle. In der Luft liegt ein furchtbarer Gestank. Die Aktivisten dokumentieren die Lebensbedingungen der Hühner und entführen sechs von ihnen, auf die ein neues Zuhause wartet.

In THE END OF MEAT beschäftigt sich Regisseur Pierschel mit der Vision einer Zukunft, in der Fleischkonsum der Vergangenheit angehört. Heute ist bekannt, dass übermäßiger Fleischkonsum für viele Zivilisationskrankheiten mitverantwortlich ist; dass Gülle aus der Massentierhaltung mancherorts das Grundwasser verschmutzt und dass in der Massentierhaltung eingesetztes Antibiotikum zu einer Gefahr für unsere Gesundheit wird. Trotz „Fleischskandale“ und ethischer Bedenken ist der Appetit auf Hamburger, Steaks, Bratwurst und Schnitzel ungebrochen.

Zukünftige Gesellschaft ohne Fleisch möglich?

Um die Frage zu klären, wie eine Gesellschaft in dieser Zukunft aussehen könnte, spricht Pierschel mit Philosophen, Wissenschaftlern, Künstlern und Aktivisten, und er gibt ihnen Raum, ihre Ideen und Vorschläge darzulegen. Was soll mit den Abermillionen Nutztieren in der neuen Gesellschaft werden? Sollen sie vom Menschen getrennt oder gemeinsam mit ihm leben? Wovon soll sich der Mensch ernähren, wenn Fleisch als Nahrungsmittel wegfällt? Das sind Fragen, die für Pierschel geklärt werden müssen, bevor eine fleischlose Gesellschaft Realität werden kann.

In THE END OF MEAT wagt Filmemacher Marc Pierschel den Blick in eine Zukunft ohne Fleisch sowie deren Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns selbst. Dabei begegnet er Esther, einem Hausschwein, welches das Leben von zwei Kanadiern komplett auf den Kopf stellte, spricht mit den Pionieren der veganen Revolution in  Deutschland, besucht die erste vegetarische Stadt in Indien, begegnet „geretteten“ Nutztieren in Freiheit und trifft auf Wissenschaftler, die am tierfreien Fleisch forschen, das den 600 Milliarden Dollar schweren, globalen Fleischmarkt revolutionieren soll.

Vier Jahre nach Beginn der Dreharbeiten ist mit THE END OF MEAT ein Film entstanden, der sich den Fragen des Regisseurs nähert und zeigt, dass sich das Bild von Tieren in der Gesellschaft tatsächlich wandelt. Fleisch, so die Meinung von Pierschel, befindet sich in der Krise: Eine Vielzahl von Konsumenten kritisiert die Zustände der modernen Nutztierhaltung oder lehnt sie komplett ab. Rein pflanzliche Ernährung wird nicht länger belächelt, sondern hat an Bedeutung gewonnen und konnte als gesunder und nachhaltiger Lebensstil etabliert werden.

Artikel zuerst veröffentlicht in: Blicklicht, Ausgabe Oktober 2017

Bildquellen

  • cultured-beef-02: David Parry / PA Wire