Braunkohlentag in Cottbus

Sie hatten scheinbar versucht, ihn geheim zu halten; geschafft haben sie es nicht. Begleitet von Protesten fand am 10. und 11. Mai der Braunkohlentag des Branchenverbandes DEBRIV in Cottbus statt. Und wie zu erwarten war, stellte die Branche ihre Unentbehrlichkeit für die Zukunft heraus.

Es wurde eine neue Studie vorgestellt, die das belegen soll. DEBRIV hatte sie beim Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Universität Stuttgart in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die Braunkohle ist weit bis nach 2030 unentbehrlich; sie ist ein billiger Rohstoff und sie schafft über 180.000 neue, zusätzliche Arbeitsplätze. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck und der Cottbusser Oberbürgermeister Szymanski beeilten sich auch, die Bedeutung der Braunkohle für die Region hervorzuheben. Und die Medien beeilten sich, die frohe Botschaft in die Bevölkerung zu tragen.

Es wird aber nicht so kommen, wie es die Studie vorhersagt; sie geht von falschen Annahmen aus, die die Braunkohle in einem besseren Licht dastehen lassen. Die Grundannahmen der Studie sind: Ab 2030 ist die CCS-Technologie zur Abscheidung von Kohlendioxid flächendeckend im Einsatz und es gibt in Deutschland geeignete und akzeptierte Lagerstätten. Weil unter diesen Voraussetzungen ab 2030 kaum Kosten für Emissionszertifikate entstehen, ist der Strompreis aus Braunkohle geringer als aus Gas oder Steinkohle.

Mit diesen Annahmen steht die Studie auf tönernen Füßen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte im Wochenbericht 11-2012 noch einmal hervorgehoben, dass es keine Zukunft für die CCS-Technologie geben wird. Bisher liegen keine Ergebnisse vor, dass sie im großtechnischen Maßstab wirtschaftlich anwendbar ist. 2011 wurde der Bau eines Demonstrationskraftwerks in Schwarze Pumpe abgebrochen. Der Transport des Kohlendioxids in unterirdischen Rohrleitungen ist unproblematisch, aber viel zu teuer. Die Speicherung ist bisher an keinem Ort geglückt.

Das DIW hebt hervor, dass es kein rein deutsches Problem ist. In Europa wurden bisher 6 Projekte zur Abscheidung von Kohlendioxid gefördert. Das Projekt Maasvlakte (Rotterdam) wurde als einziges noch nicht eingestellt. Bei 9 weiteren Projektanlagen besteht keine Aussicht, dass der Gesamtprozess von Abscheiden, Transport und Speicherung wirtschaftlich machbar ist.

Es wäre vielleicht zu viel von DEBRIV verlangt gewesen, das Ende der Braunkohle in den nächsten 20 Jahren zu verkünden. Aber das Ende wird kommen.

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