Druck auf Auszubildende immer größer

SDAJ: Unsere Zukunft statt eure Profite SDAJ: Unsere Zukunft statt eure Profite von SDAJ - Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend

Der Druck auf Auszubildende in Deutschland wird offenbar größer, gleichzeitig werden die Ausbildungsbedingungen schlechter, belegt der am Donnerstag veröffentlichte Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Krank zur Arbeit und Überstunden machen

Fast 60 Prozent der Azubis kommen krank zur Arbeit, über die Hälfte sind durch schlechte Bedingungen und Anforderungen am Ausbildungsplatz stark belastet und ein Drittel von ihnen leistet Überstunden. Einem Drittel der Auszubildenden (33,6 Prozent) liegt kein betrieblicher Ausbildungsplan vor und eine Überprüfung der Ausbildungsinhalte ist ihnen daher nicht möglich. Jeder Zehnte Auszubildende (10,6 Prozent) übt regelmäßig ausbildungsfremde Tätigkeiten aus. Bei 13,4 Prozent der Auszubildenden findet eine fachliche Anleitung durch den Ausbilder überhaupt nicht oder nur selten statt. Das sind einige Ergebnisse des Ausbildungsreports, den die DGB-Jugend nun zum elften Mal infolge vorstellt.

»Wer über unbesetzte Ausbildungsplätze klagt, muss qualitativ gute Ausbildungsplätze mit Perspektive anbieten«, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Der Report belege erneut, dass gerade die Branchen über Azubi-Mangel klagten, die seit Jahren für ihre schlechten Ausbildungsbedingungen bekannt seien.

Berufsbildungsgesetz überarbeiten

Florian Haggenmiller, DGB-Bundesjugendsekretär, kommentierte die Ergebnisse des Reports: »Seit mehr als zehn Jahren stellen wir erhebliche Missstände in der Ausbildungsqualität fest, ohne dass es relevante Verbesserung gegeben hätte.« Es sei ein Armutszeugnis, wenn Druck, Stress und schlechte Ausbildungsbedingungen für sehr viele junge Menschen schon am Anfang ihres Arbeitslebens stünden. Wenn es die Betriebe nicht schaffen würden, die duale Ausbildung zu verbessern, müsse die Politik einschreiten. Dazu müsse das Berufsbildungsgesetz novelliert werden. In das Gesetz gehöre ein rechtlicher Anspruch auf einen betrieblichen Ausbildungsplan, der die Inhalte der Ausbildung regele, sowie eindeutige Vorschriften, um Überstunden zu vermeiden.

Zwar seien die meisten Azubis (71,7 Prozent) mit ihrer Ausbildung zufrieden, aber es gebe erhebliche Branchenunterschiede: Mechatroniker, Industriekaufleute und Zerspanungsmechaniker sind über Durchschnitt zufrieden. Fachverkäufer des Lebensmittelhandwerks, Zahnmedizinische Fachangestellte, Malerinnen sowie Auszubildende in Teilen des Hotel- und Gaststättenbereichs bewerteten ihre Betriebe hingegen mangelhaft. »Besonders in diesen Berufen bleiben in jedem Jahr viele Ausbildungsstellen unbesetzt«, sagte Florian Haggenmiller.

An der repräsentativen Befragung haben sich 13.603 Auszubildende aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt.

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